Schon seit über 50 Jahren besuchen Kinder aus unterschiedlichen Ländern, mit vielfältigen kulturellen, religiösen und sprachlichen Hintergründen verschiedene Bildungseinrichtungen. Im Jahr 2015 hatten rund 1/3 aller Kinder in der Kita einen Migrationshintergrund (Statistisches Bundesamt, 2015, S. 36). Durch Kriege und wirtschaftlich schwierige Situationen und durch eine immer stärker werdende Vernetzung ist damit zu rechnen, dass die Pluralisierung der Gesellschaft auch weiterhin zunehmen wird.

Heterogene Kindergruppen in der Kita

Diese Vielfalt der Gesellschaft zeigt sich auch in der Kita. Die Kinder bringen unterschiedliche Normen und Regeln mit, neue Feste und Rituale und in den meisten Fällen auch eine andere Sprache. Durch diese Vielfältigkeit wird ein Verständnis für unterschiedliche Entwicklungspfade, denen Kindern folgen, zunehmend wichtiger. Und dies stellt Erzieherinnen vor große Herausforderungen – und nicht selten fühlen sie sich genau dieser sprachlichen, kulturellen oder religiösen Vielfalt nicht gewachsen.

Um diese Herausforderungen sowohl für die Kinder als auch für die Erzieher möglichst erfolgreich bewältigen zu können, bedarf es mindestens zweierlei:

  • interkulturell kompetente Erzieherinnen und
  • einen Kindergartenalltag, der allen Kindern das Gefühl gibt, angenommen zu sein und geachtet zu werden.

Mit dem zweiten Punkt – dem interkulturellen Kindergartenalltag – beschäftigt sich der Beitag: Die interkulturelle Kita

Die interkulturell arbeitende Erzieherin sollte

1. Wissen aneignen

Interkulturelles Arbeiten erfordert von Seiten der Erzieherin verschiedene Kompetenzen. Am besten darstellen lassen sich die notwendigen Komponenten anhand einer Trias aus

  • Kenntnissen und erlerntem Wissen
  • einer offenen, neugierigen, vorurteilsbewussten Haltung und
  • dem Leben von Diversität und Vielfältigkeit (Keller 2013, 12).

In ihrem Arbeitsalltag mit Kindern mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung treffen Erzieherinnen immer wieder auf ganz unterschiedliche Familien und deren Erziehungsstile und -ziele. Im Umgang mit einigen dieser Familien wird das vertraute Bild vom Kind und dem, wie Eltern ihr Kind erziehen, „auf den Kopf gestellt“.

2. Die eigene Haltung reflektieren

Immer dort, wo wir auf Menschen mit anderen Lebensgeschichten, anderen Denk- und Handlungsweisen, müssen Erzieherinnen die Bereitschaft zur Selbstreflexion und selbstkritischen Betrachtung des eigenen Lebenslaufes mitbringen. Erzieherinnen müssen sozusagen ihre eigene kulturelle Brille abnehmen, oder aber die Tönung ihrer Brille bewusst ändern – einen offenen, neugierigen Perspektivenwechsel vollziehen. So sollten sie beispielsweise versuchen, sich in die Sichtweise der Eltern hineinzudenken und davon ausgehen, dass Eltern das, was sie tun, aus einem guten Grund und in der Regel in erster Linie aus Liebe zu ihrem Kind tun.

Da sich Veränderungen, die sich auf unser Inneres beziehen, nicht per Knopfdruck bewältigen lassen, gehört die Arbeit an der eigenen Haltung sicher zu den schwierigsten und forderndsten Aufgaben einer Erzieherin.

3. Diversität leben

Um den Alltag mit einer großen Vielzahl unterschiedlichster Kinder möglichst interkulturell wertvoll und gleichberechtigt gestalten zu können, bedarf es auf Seiten der Erzieherinnen verschiedene Handlungsoptionen und Kommunikationsstrategien.
So ist es beispielsweise hilfreich, sich mit verschiedenen kulturtypisches Handlungsstrategien z. B. auf der nonverbalen Ebene auseinanderzusetzen. Dies betrifft u. a. Mimik, Gestik oder auch die gesamte Körpersprache, den Blickkontakt, der gesucht oder vermieden wird oder die Hand, die zur Begrüßung gereicht wird, oder eben nicht. Das beeinflusst die Kommunikation mit Kindern und den Eltern genauso wie unterschiedliche paraverbale Eigenarten, wie beispielsweise sehr lautes oder sehr leises Sprechen.

 

Literatur:

Keller, Heidi: Interkulturelle Praxis in der Kita. Wissen – Haltung – Können. Herder Verlag, 2013.
Statistisches Bundesamt: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2015. Wiesbaden, 2016

 

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