Jedes Kind ist einmalig – sein familiärer Hintergrund, sein Aussehen, seine Sprache, seine schon gemachten Erfahrungen, seine Wünsche und Träume – jeweils individuell, jeweils anders. Ein interkultureller Ansatz muss an der Lebenswelt eines jeden Kindes ansetzen und die Vielfältigkeit der Lebenswelten für alle Kinder erlebbar machen.

Bei der Umsetzung im Kita-Alltag ergeben sich für interkulturell arbeitende Fachkräfte vielfältige Möglichkeiten, bei der Raumgestaltung, bei der Auswahl von Spiel- und Beschäftigungsmaterialien oder auch bei der Einbeziehung aller Eltern, von denen ein paar im Folgenden vorgestellt werden sollen.

Der interkulturelle Kindergarten

Interkulturelles Arbeiten muss auch in der Einrichtung, im Spiel- und Lernmaterial und in der Raumgestaltung seinen Ausdruck finden. So können Kinder auf ihren bereits erworbenen Erfahrungsschatz zurückgreifen und können gleichzeitig erfahren, dass ihre Kultur wertgeschätzt wird.

Für Kinder mit eigener Flucht- und Migrationserfahrung können die neue Umgebung, die fremden Regeln und Abläufe und die fremde Sprache zu einer großen Herausforderung werden. Eine Raumgestaltung, in der Vertrautes entdeckt wird, kann eine Brückenfunktion einnehmen.

Multikulturelle Räume und Spielzeuge

Erzieherinnen sollten bei der Auswahl von Elementen für die Raumgestaltung, bei Spielmaterialien und Büchern darauf achten, dass die Vielfältigkeit der Kindergruppe abgebildet wird. Ziel muss sein, dass sich alle Kinder und ihre Eltern empfangen und angenommen fühlen können. Und genau da können Erzieherinnen ansetzen. Sie können durch Hinzufügen und Weglassen bestimmter (inter-)kultureller Elemente das Kita-Leben und seine Vielfältigkeit in weiten Teilen mit bestimmen, sowohl innerhalb des eigenen Gruppenraums als auch in der ganzen Einrichtung.

Raumgestaltung

Mittlerweile lassen sich vielerorts Eingangsbereiche finden, die durch einfache Elemente allen Familien – egal welche Sprache sie sprechen – ein Gefühl des Willkommen-Seins vermitteln, z. B. durch einen herzlichen Gruß in verschiedenen Sprachen. Eltern, die sowohl Deutsch als auch andere Sprachen sprechen, sind sicher gerne bereit, bei einem solchen Vorhaben zu helfen.

Große bunte Plakate mit den Bildern verschiedener Kinder der Einrichtung bei unterschiedlichen Aktivitäten zeigen: hier spielen und lernen viele verschiedene Kinder gemeinsam zusammen, und jedes Kind ist uns gleich wichtig; egal ob Mädchen oder Junge, egal aus welchem Land das Kind und seine Eltern kommen, egal welcher Religion die Familie angehört und welche Sprache zu Hause gesprochen wird. So können auch wichtige Rituale und zentrale Punkte des Tagesablaufes dargestellt werden. Speziell für Eltern, die in ihrem Heimatland keine Institutionen wie den Kindergarten kennen, können solche Bilder eine wesentliche Brücke zum Kennenlernen und Verstehen des pädagogischen Auftrags werden.

Ein gemütliches Elterncafé/ ein Elterntreff, meist im Eingangsbereich der Einrichtung, lädt mit einer Kanne frischem Kaffee und/oder Tee zum Verweilen ein und ermöglicht so Kontakte zwischen den Eltern. Dies bietet Eltern die Chance, ganz ungezwungen mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen. Um die anfängliche Scheu zu überwinden, ist es denkbar, den Eltern durch regelmäßige durchgeführte „Veranstaltungen“ zu verschiedenen Themen (Hendrich, 2016, S. 77) den Zugang zu erleichtern. Im Elterncafé könnten auch mehrsprachige Informationsmaterialien ihren Platz finden.

Wenn Sie Eltern mit Hilfe von Aushängen informieren wollen, sollten diese in mehreren Sprachen anbieten. Gerade in Einrichtungen mit vielen Familien mit Fluchterfahrung lohnt es sich auch, bei der Gestaltung dieser Informationen oder auch bei Elternbriefen auf Piktogramme zurückzugreifen, um das Verstehen zu erleichtern.

Gegenstände im Gruppenraum

Familienwände geben Kindern ein Gefühl von Geborgenheit und dienen als Sprechanlass. Sie vermitteln den Kindern, dass verschiedene Familienformen, unterschiedliches Aussehen, verschiedene Wohn- und Lebensweisen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Sie sollten auf Augenhöhe der Kinder und gut zugänglich angebracht sein. Für die Familienwände können die Kinder Bilder von sich, den Geschwistern, Eltern und Großeltern, auch Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, den eigenen Haustieren und dem eigenen Zimmer, der Wohnung, dem Haus (z. B. aus dem Herkunftsland) oder von eigenen Lieblingsplätzen mitbringen. Auch selbstgemalte Bilder könnten an diese Familienwände geheftet werden. Kinder und Eltern können in die Gestaltung aktiv einbezogen werden.

Bücher

Gerade bei Büchern lohnt sich die Mühe, genauer darauf zu achten, ob sich vielfältige Lebenswirklichkeiten entdecken lassen (Hofbauer, 2016, S. 105). Gemeint sind dabei einerseits solche Bücher, die überblicksartig Kinder aus verschiedenen Kulturen vor- und darstellen. Daneben sollten aber auch Bücher zur Verfügung stehen, die die vielfältige Lebenswelten von Kindern auf natürliche und lebendige Art als Bestandteil der Geschichte darstellen. So haben alle Kinder die Chance, sich mit den Hauptfiguren zu identifizieren und Aspekte der eigenen Lebenswelt auch im Buch wiederzufinden.

In der letzten Zeit sind auch zunehmend Bücher auf den Markt gekommen, die Kinder auf ihrer beschwerlichen Flucht und ihre ersten Schritte in Deutschland beschreiben. Beispielgebend für viele andere Bücher: „Zuhause kann überall sein“ (Irena Kobald/Freya Blackwood), „Das Mädchen mit der Perlenkette“ (Alexander Jansen) oder auch „Bestimmt wird alles gut“ (Kirsten Boie/Jan Birck).

Puppen

Auch Puppen verschiedener Haut- und Haarfarbe und verschiedener kontinentaler oder nationaler Gesichtsmerkmalen zeigen allen Kindern die große Vielfalt menschlichen Aussehens. Mehr über die Bedeutung von Puppen und Puppenkleidung in der interkulturellen Arbeit finden Sie im Beitrag: Spielzeug für den multikulturellen Kindergarten

Multikulturelle Aktivitäten im Kindergarten

Immer da, wo Familien mit heterogenen kulturellen, religiösen und sprachlichen Hintergründen aufeinander treffen, reicht es nicht aus, Räume, Alltagsgegenstände und Spielmaterialien möglichst vielfältig zu gestalten. Durch das Zusammentreffen ergibt sich auch die Chance, gemeinsame Aktivitäten mit Kindern und deren Familien durchzuführen.

In vielen Einrichtungen bringen Eltern zu Festen typische Spezialitäten ihrer Herkunftskultur mit. Beim Essen kommen viele Familien ganz ungezwungen zusammen, man lernt sich kennen, kommt in Kontakt. In einem zweiten Schritt könnten von den einzelnen Gerichten Fotos gemacht und die Rezepte notiert werden. Das so entstandene Rezept-Büchlein könnte im Nachgang der gemeinsamen Veranstaltung zu einem geringen Preis an die Eltern verkauft werden.

Es könnten auch Projekte zu einzelnen Kulturen oder ein Fest der Kulturen vorbereitet und durchgeführt werden. Länder und ihre Traditionen und Feste, ihre Kleidung, Tänze, Lieder oder Spiele werden in den Mittelpunkt gestellt. Kinder könnten Geschichten über Kinder und ihr Leben im jeweiligen Land hören, die Landesflagge kennen lernen und zeichnen und Schriftzeichen ausschneiden und aufkleben. Vielleicht finden sich Eltern, die mit den Kindern einen kleinen Vers oder ein Lied in der Sprache lernen können. Bei einem Elternnachmittag kann so manches interkulturell wertvolle Spielzeug entstehen: Lebensmittel aus Knete oder Pappmaché, Puzzles oder Memories auf Basis von Kinderfotos der Kita-Gruppe. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Fazit:

Ziel muss es sein, jedes Kind dort abzuholen, wo es gerade steht: der verschiedene kulturelle oder religiöse Hintergrund eines Kindes spielt dabei sicher eine – aber nicht die entscheidende Rolle. Nehmen Sie die Herausforderung an, mit Offenheit und Neugier.

Literatur:

Hendrich, Andrea: Kinder mit Migrations- und Fluchterfahrung in der Kita. Ernst Reinhardt Verlag, 2016.
Hofbauer, Christiane: Kinder mit Fluchterfahrung in der KIta. Leitfaden für die pädagogische Praxis. Herder Verlag, 2016.

Bildquelle: UfaBizPhoto | shutterstock.com